Hexenwerk & Co 

        

Naturheilkunde oder Tiermedizin - auf beiden Seiten gibt es Vertreter, die im ideologischen Glaubenskrieg das jeweilige andere Lager verteufeln. Selbst Privatsender sehen sich berufen, in Pseudo-Dokus Tierheilbehandler mit schamanenhaften Praktiken als nichtsnutzige Geldschneider zu entlarven. Und so sieht man sich auf einer Stufe mit Mietnomaden und schwersterziehbaren Jugendlichen, gerade gut genug, dem voyeuristischen Publikum die sowieso vorgefasste niedere Meinung zu bestätigen. Lehnen wir uns mal zurück und betrachten das Ganze etwas entspannter:

Gute und Schlechte gibt es überall, letztlich muss der Besitzer entscheiden, wem er die Gesundheit oder Krankheit seines Tieres anvertraut. Ich gebe Ihnen hier ein paar ganz persönliche Denkanstöße, die Sie als Entscheidungshilfe benutzen können. Doch eins vorweg: Naturheilkundler sind keine Wunderheiler und können nicht hexen.

Das stärkste Argument für die Naturheilkunde ist der sogenannte ganzheitliche Ansatz. Es wird also nicht allein der momentane Zustand des Tieres betrachtet, der vielleicht von den Symptomen einer Krankheit gekennzeichnet ist, sondern verschiedenste Aspekte wie Aufzucht, Haltung, Ernährung, soziales Umfeld und vieles mehr. Nur so kann man die Ursache einer Krankheit erkennen, an den Wurzeln packen und ausmerzen. In gleicher Weise können vorbeugende Maßnahmen getroffen werden, damit die Gesundheit dauerhaft Oberhand behält.

Ein weiterer Punkt, der überzeugen kann, ist die Tatsache, dass naturheilkundliche Therapien auf Wirkmechanismen beruhen, die auf ein sanftes Geraderücken der aus der Balance geratenen Gesundheit abzielen. Sieht man von der kalkulierten Erstverschlimmerung z.B. bei der Homöopathie ab, wird man Nebenwirkungen vergeblich suchen, wie sie z.B. beim Verabreichen von Antibiotika oder Kortison in Kauf genommen werden müssen.

Die Therapien sind hierzulande meist vergessen, wie die Wirkung von Kräutern oder Blutegeln, oder kommen aus fremden Kulturen, wie die Akupunktur. Eines haben sie gemeinsam: Ihre Wirksamkeit ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Deshalb werden Sie öfters den Hinweis finden:

„Nach dem deutschen Heilmittelwerbegesetz (HWG) §3, weise ich Sie darauf hin, dass es sich bei den hier vorgestellten therapeutischen und diagnostischen Methoden um Verfahren der alternativen Medizin handelt. Diese Verfahren sind naturwissenschaftlich und schulmedizinisch umstritten, da sie weder nachgewiesen noch anerkannt sind. Aus diesem Grund, gebe ich Ihnen keine Garantie für die Linderung oder Verbesserung des Krankheitszustandes.“

Auf den ersten Blick ein weiterer Makel, der den Tierheilpraktikern anhaftet. Kehren wir das Ganze doch mal ins Positive: Ein Tierarzt dürfte die hier angesprochenen Verfahren wahrscheinlich gar nicht in Betracht ziehen, geschweige denn offerieren. Tierheilpraktiker dürfen das, sie dürfen Alternativen bieten. In der Praxis verschwimmen die Grenzen: Tierärzte bilden sich in Akupunktur weiter, Tierheilpraktiker nutzen Labordiagnostik. Wenn ich der Meinung bin, dass ihr Liebling beim Tierarzt besser aufgehoben ist, weil mir die Möglichkeiten fehlen, dann sage ich das. Meine Stärken kommen immer zum Tragen, wenn es um etwas Chronisches geht, um Vorbeugung bei Jung- oder Alttieren, wenn der Grund einer Erkrankung nicht offensichtlich ist.

Und nun? Zum Tierheilpraktiker oder Tierarzt? Wie gesagt, die Entscheidung liegt bei Ihnen. Sie sollten in jedem Fall, bei dem einen oder anderen, die Therapie nachvollziehen können. Beim Tierheilpraktiker, der außer der Kraft des Pendels keine weiteren Diagnosetechniken in der Hinterhand hat, wäre ich misstrauisch. Dem Tierarzt, der einen Hautausschlag über Monate mit Kortison einzudämmen versucht, würde ich wegen Phantasielosigkeit die Treue brechen.

    

 

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